Applaus für den "Eisenmann" Noveski

So cool und abgeklärt Nikolce Noveski immer wirkte, so emotional wird für den "Eisenmann" aus dem mazedonischen Bitola seine letzte Vorstellung. Mehr als zwei Jahre nach seinem letzten Bundesliga-Spiel für Mainz 05 kommt am Samstag um 17 Uhr die Crème de la Crème der Mainzer Erstliga-Historie zu seinem Abschiedsspiel in die Opel Arena.


"Das wird ein schöner Tag für mich, weil ich weiß, wie gern alle nach Mainz kommen. Es sind alle dabei, die den Verein getragen haben", sagt der 38-jährige Ehrenspielführer. Dazu gehören auch seine früheren Trainer Jürgen Klopp und Thomas Tuchel.

Elf Jahre war Noveski eine der Galionsfiguren der 05er, erlebte viele Höhen und manche Tiefe. Sein erstes Bundesliga-Spiel verdankte der Innenverteidiger einer Verletzung seines Konkurrenten Tamás Bódog. Der Ungar prallte im Training mit dem Kopf auf Noveskis Schulter. Der Mazedonier übernahm seinen Platz - und ließ sich in den folgenden Jahren nicht mehr verdrängen. 254 Einsätze folgten - sie sind bis heute Mainzer Rekord. "Es war eine tolle Zeit, ich hatte viel Glück mit meinen Trainern und den Mitspielern", sagte er.

Nie ein Dampfplauderer
Noveski hat sich Respekt und Anerkennung hart erarbeitet, schonte weder sich noch Gegenspieler. Ein prall volles Stadion hätte er zum Abschied verdient, doch noch hält sich der Kartenkauf in Grenzen.

Ein Dampfplauderer war er nie, er gehört eher zu den Stillen im Land und doch war er immer der anerkannte Kapitän und Leader der Mainzer. Nicht zuletzt deshalb ließen sich viele seiner ehemaligen Mitspieler von A (Chadli Amri) bis Z (Radoslav Zabavnik) nicht lange bitten, die Fußballstiefel für ihn zu schnüren.

Auch für zwei Trainer, die Noveskis Karriere prägten, ist das Kommen selbstverständlich: 05-Ikone Jürgen Klopp hat wegen der Länderspielpause Zeit, aus Liverpool einzufliegen. Thomas Tuchel ist derzeit ohne Engagement. Fehlen darf auch nicht der jetzige Schalker Sportvorstand Christian Heidel, der Baumeister des Mainzer Aufstiegs.

Aktive wie Loris Karius, Johannes Geis, Eugen Polanski und Sami Allagui sowie die 05er Niko Bungert und Stefan Bell sind ebenso auf dem Spielfeld dabei wie Ehemalige. Da ragen Publikumsliebling Elkin Soto, der extra aus Kolumbien anreist, Zdenek Pospech sowie der Ägypter Mohamed Zidan heraus. "Es wird ein Spaß, die alten Kollegen zu sehen", erklärte Noveski.

Erinnerungen werden dann auch wieder lebendig. So an das 2:2 gegen Eintracht Frankfurt im Jahr 2005, als dem Mazedonier innerhalb von 132 Sekunden zwei Eigentore unterliefen. Immerhin traf er später selbst zum 1:2. Schöner sind die Gedanken an die sieben Siege zu Beginn der Saison 2010/11. Auch das 0:0 im UEFA-Cup-Qualifikationsspiel beim späteren Sieger FC Sevilla zählt Noveski zu den Höhepunkten seiner Karriere.

Fit durch Kickboxen
Noveski ist Mainz auch nach seinem letzten Spiel im Mai 2015 (0:2 gegen Bayern München) treu geblieben. "Ich hab immer noch meine Wohnung hier." Gern schaut er bei den Heimspielen vorbei, gern ist er aber auch in seiner Heimat Mazedonien bei der Familie. Drahtig wie eh und je wirkt der 38-Jährige, der sich mit Kickboxen und Radfahren fit hält.
Wie sein Leben nach dem Abschiedsspiel aussieht, weiß Noveski noch nicht genau. Den A-Schein hat er, falls es ihn noch einmal auf die Trainerbank ziehen sollte. "Irgendwann vielleicht."

© Mannheimer Morgen, Samstag, 02.09.2017

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