Nato-Beitritt: Russlands „größter Agent“ in Mazedonien ist das Volk - Experte


Mazedoniens Premier Zoran Zaev will sein Land schnell in die Nato führen, fürchtet jedoch nach eigener Aussage eine „harte Reaktion“ aus Russland. Im Fernsehen beteuerte Zaev zugleich, sein Land sei an guten Beziehungen mit Russland interessiert, um mehr Tomaten und Kohl liefern zu können. Sputnik bat Experten um eine Einschätzung.

Der Regierungschef übertreibe Russlands Einfluss maßlos und absichtlich – um den Einfluss von ganz anderer Seite zu verschleiern, sagt der Politologe Stevan Gajic vom Belgrader Institut für europäische Studien im Sputnik-Gespräch.

„Die Nato möchte alle Balkan-Staaten so schnell wie möglich unter ihre Kontrolle bringen, auch Mazedonien. Alle mazedonischen Politiker in Schlüsselpositionen teilen die Überzeugung von der Notwendigkeit des Nato-Beitritts. Warum sollte Russland in so einer Situation Druck auf Mazedonien ausüben? Diese Frage bleibt unbeantwortet“, sagt Gajic.

Russlands „größter Agent“ in Mazedonien wie auch in Serbien sei schließlich das Volk, betont der Politologe. „Man vergisst immer, das zu erwähnen, wenn man über russischen Einfluss redet.“ Das mazedonische Volk sei indes viel mehr darüber besorgt, wie sein Land künftig heißen soll – wie es überhaupt mit Mazedonien weitergehe. 

Mazedoniens ehemaliger Botschafter in Russland, Risto Nikovski, ist überzeugt, dass es gar keinen russischen Einfluss auf Mazedoniens Politik gebe. Aus persönlichem Kontakt mit russischen Regierungsstellen wisse er, dass Russland gegen den Nato-Beitritt Mazedoniens nichts einzuwenden habe, sagte er im Sputnik-Gespräch.

„Doch das war noch vor den Ereignissen in der Ukraine, als die Nato zum Aggressor geworden ist. Danach hat sich Moskaus Position hinsichtlich der Ausweitung der Nato-Präsenz auf dem Balkan selbstverständlich gewandelt: Russland erklärt seinen Unmut über die Allianz-Erweiterung. Doch das bedeutet nicht, dass auf Mazedonien Druck ausgeübt wird. Russland stellt sich dem Nato-Beitritt des Landes nicht in den Weg, hat aber das volle Recht zu erklären, dass der Beitritt zu dieser Allianz nicht zum Vorteil Europas ist. Und das ist absolut wahr, wenn sich die Ukraine anschaut“, so der ehemalige Botschafter.

QUELLE: SPUTNIK

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