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IS-Dschihadisten aus Mazedonien in der Türkei in Haft


Zwei albanische Islamisten auс Mazedonien die aus Hamburg und Bremen in den Osten reisten sitzen in der Türkei in Haft. Sie sollen versucht haben, mit Schönheitsoperationen ihr Aussehen zu verändern, um unerkannt zu bleiben. Planten sie einen Anschlag?

Sie wollten, dass man sie nicht mehr erkennt. Offenbar um heimlich über Grenzen reisen zu können. Vielleicht sogar bis nach Deutschland. Dafür griffen sie zu vergleichsweise drastischen Maßnahmen: Haartransplantationen und Schönheitsoperationen.

Zwei Islamisten aus Mazedonien die in Deutschland sesshaft gewesen sind sitzen in der Türkei in Haft. Sie sollen Mitglieder der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sein. Sicherheitskräfte hatten die beiden Männer, Adnan S. aus Bremen und Zulhajrat S. aus Hamburg, festgenommen, nachdem sie einen Arzt für plastische Chirurgie aufgesucht hatten. Zuvor waren sie aus Syrien in die Türkei gereist.

Hat der IS die beiden Dschihadisten aus Norddeutschland möglicherweise für einen Anschlag nach Europa geschickt? Sollten die Extremisten deshalb ihr Aussehen verändern?

Deutsche Sicherheitsbehörden versuchen, diese Fragen seit einigen Wochen zu klären. Im Bundeskriminalamt (BKA) gibt es eine eigene Ermittlungsgruppe, die sich mit dem Fall beschäftigt. Gleich mehrere IS-Dschihadisten haben die Ermittler im Visier, die sich möglicherweise bereits auf dem Weg nach Deutschland befinden.

Einreise nach Deutschland ist untersagt

Adnan S. und Zulhajrat S. sind mazedonische Staatsbürger und besitzen keine deutsche Staatsbürgerschaft. Sie haben nach Angaben aus Sicherheitskreisen keinen Aufenthaltsstatus in der Bundesrepublik mehr. Eine Einreise ist ihnen damit untersagt. Im Polizeilichen Informationssystem sind die Islamisten zur „Zurückweisung“ an der Grenze ausgeschrieben.

Nach Informationen der „Welt“ haben mazedonische Behörden bereits ein Auslieferungsersuchen für die beiden Terrorverdächtigen an die Türkei gerichtet. Den beiden Dschihadisten aus Deutschland droht demnach ein Prozess in Mazedonien wegen IS-Mitgliedschaft.

Bislang ist noch unklar, ob Adnan S. und Zulhajrat S., die 2014 beziehungsweise 2015 in den Dschihad gezogen waren, tatsächlich einen Anschlagsplan verfolgten oder ob sie der Terrormiliz IS den Rücken gekehrt haben und deshalb aus Syrien geflohen sind. Die Ehefrauen und Kinder von Zulhajrat S. waren bereits vor seiner Verhaftung im türkisch-syrischen Grenzgebiet festgesetzt worden.

Harry S. und Adnan S. posierten mit IS-Fahne

Der Bremer Adnan S. gilt als Weggefährte von Harry S., der im vergangenen Jahr vom Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg wegen Terrormitgliedschaft zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Harry S. und Adnan S. waren gemeinsam in einem Propagandavideo des IS zu sehen, in dem zwei angebliche syrische Regime-Soldaten ermordet worden waren. Die beiden Islamisten aus Deutschland traten als Fahnenträger auf und posierten mit dem IS-Banner.

Ein erst später aufgetauchtes Video, über das die „Washington Post“ berichtet hatte, zeigt allerdings, dass Harry S. wohl auch einer anderen Exekution beiwohnte. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat aufgrund dieser Aufnahmen ein neues Verfahren gegen den Bremer eingeleitet – wegen Mordes und Kriegsverbrechen.