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„Damit Moskau die Motten kriegt“: Rätseln um Nato-Vorgehen im Fall Mazedonien

Die Aussichten auf einen Nato-Beitritt Mazedoniens sollen laut europäischen Quellen deutlicher geworden sein. Will der Westen vielleicht den Kreml zu aktiveren Schritten provozieren und in ein Ringen involvieren, das für Russland nachteilig wäre? Mit der Frage beschäftigt sich die russische Onlinezeitung vz.ru. 


„Dass der Balkan zum Schauplatz eines geopolitischen Einflusskampfes zwischen Russland und dem Westen wird, schreiben Medien und Analysten längst, viel und gern, wobei es sich hauptsächlich um westliche Medien und Analysten handelt“, postuliert vz.ru.

„Russlands Aufgabe ist es, seine Positionen im Balkan zu behalten. Die Aufgabe des Westens besteht darin, Russland aus dem Balkan zu verdrängen und dieses Territorium für sich selbst abzustecken – durch die Aufnahme von Jugoslawien-Bruchstücken in die Nato. Dies ist politisch relativ einfach (angesichts des EU-Einflusses in der Region) und materiell billig“, so der Kommentar.

Die Onlinezeitung bezieht sich auf eine Meldung der russischen Agentur RIA Novosti, die einen nicht namentlich genannten europäischen Diplomaten mit den Worten zitierte, die Gespräche über Mazedoniens amtlichen Ländernamen seien deutlich beschleunigt worden.

Dieser Name ist der Stein des Anstoßes zwischen der Regierung in Skopje und dem Nato-Mitglied Griechenland. „Es ist geplant, die Gespräche binnen drei bis vier Monaten zu beenden, im Herbst. Gleichzeitig soll die Frage nach der Aufnahme Skopjes in die Allianz geklärt werden“, so jene europäische Quelle.
Vz.ru kommentiert nun: „Zunächst mal sollte man sich darüber im Klaren sein, dass solchen Quellen nicht vorbehaltlos geglaubt werden darf (…) Die Verlautbarung an sich könnte ein Instrument sein, um eine angestrebte Entscheidung voranzutreiben, die öffentliche Meinung zu testen oder die Gegenpartei (also Russland) zu irgendwelchen Schritten zu provozieren.“

Ursprünglich habe Moskau nur selten in die Balkan-Situation eingegriffen und sei erst in den letzten Jahren aktiver geworden. Der „russische Bär“ sei vor dem Hintergrund der westlichen Aktivitäten um Serbien aufgewacht. Der Westen begreife, dass Serbien keine leichte Beute für die Nato werde, und gehe vorsichtig vor, indem er sich im Moment eben auf Mazedonien konzentriere, so vz.ru.

„Es gibt sogar die folgende Version: Die Amerikaner und die Deutschen (oder, wenn man so will, die ‚Brüsseler‘, weil sich der Nato- und der EU-Hauptsitz in der belgischen Hauptstadt befinden) möchten eben, dass Moskau in den Kampf um Mazedonien involviert wird. Denn diesen Kampf wird Moskau letztendlich sowieso verlieren, und zwar exemplarisch. Dabei wird es sich von der Ukraine und Syrien ablenken – also von den Richtungen, die für die Akteure wichtiger sind“, so die Onlinezeitung weiter. 

„Mazedonien wäre längst in die Nato aufgenommen worden, hätte jemand es tatsächlich gebraucht. Faktisch gehen die Atlantisten aber von dem Prinzip ‚Damit Moskau die Motten kriegt‘ aus“, schreibt vz.ru.

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