Schalke gegen PAOK: Man sieht sich immer zweimal im Leben


Die reisefreudigen Schalkefans, die gespannt auf die Auslosung in der Europa-League-Zwischenrunde in Nyon warteten, wurden auf die Folter gespannt: Ein Wunschlos nach dem anderen ging weg, ohne dass die königsblaue Kugel aus dem Topf gezogen wurde. „Losfee“ Patrik Andersson hat dem FC Schalke 04 bekanntlich noch nie Glück gebracht…

Die allerletzte Partie wurde dann PAOK Saloniki gegen die Knappen. Sportlich dürfte der Zweite der Gruppe J, der derzeit in der griechischen Super League Platz 9 belegt, ein machbares Los sein. Dennoch wurden bei zahlreichen Schalke-Fans schlagartig böse Erinnerungen wach. In der Qualifikation zur Champions League 2013 trafen die beiden Teams schon einmal aufeinander. Zwar konnte Schalke sich seinerzeit durchsetzen und nach dem 1:1 im Hinspiel durch einen 3:2-Auswärtssieg mit zwei Toren von Adam Szalai in die Königsklasse einziehen, aber die Ereignisse im Heimspiel haben das Klima zwischen den Schalkefans und der Polizei nachhaltig vergiftet und sind bis heute unvergessen. 

Zur Erinnerung: in der Nordkurve hing neben diversen anderen Bannern auch eine Fahne der Ultras aus Skopje, die eine Fanfreundschaft zur UGE pflegen. Die auf diesem Banner abgebildete „mazedonische Sonne“ ist aufgrund des angespannten politischen Verhältnisses zwischen Griechenland und Mazedonien in Hellas nicht sehr beliebt; in Deutschland aber als Fahne eines anderen europäischen Staates vollkommen legal.

Die Polizei Gelsenkirchen ließ sich aber von dem Genörgel einiger Saloniki-Offizieller, dass die Fahne reine Provokation sei und sie nicht garantieren könnten, dass ihre mitgereisten Anhänger nicht den Platz stürmen würden, verunsichern und marschierte mit mehreren Hundertschaften und massivem Pfeffersprayeinsatz in die vollbesetzte Nordkurve ein, weil die Ultras die Fahne nicht freiwillig herausgeben wollten. Am Ende blieben 87 durch Pfefferspray verletzte Personen zurück. 

Polizei und Innenministerium verteidigen den Einsatz bis heute als recht- und verhältnismäßig. Auch wenn die Fahne nicht wie zunächst angenommen „volksverhetzend“ gewesen sei, hätte man nur so dem möglichen Platzsturm durch die Saloniki-Fans vorbeugen können. Warum es den Einsatzzügen der Polizei nicht möglich gewesen sein soll, etwaige griechische Randalierer im Zaun zu halten – in der Veltins-Arena gab es noch nie einen Platzsturm – ist immer noch ungeklärt. 

Die Schalkefans demonstrierten bei den folgenden Heimspielen massiv gegen den Einsatz und das Einknicken der Vereinsführung gegenüber der Drohung von Innenminister Jäger. Der hatte in etwa gesagt: Wenn Schalke öffentliche Kritik übe, würde die Polizei gegebenenfalls ganz abgezogen. Beim Spiel gegen Leverkusen leuchteten in der Arena tausende gelbe Sonnen auf rotem Grund, um zu zeigen, dass sich die Fans nicht in ihrem „Wohnzimmer“ von unsinnigen Verboten an der freien Meinungsäußerung hindern lassen.

Man muss kein Prophet sein um zu wissen: Diese Fahnen und noch viel mehr werden wieder ausgemottet werden, wenn im Februar die Spiele anstehen. Und es ist zu hoffen, dass es bei dieser legitimen und verdienten Retourkutsche bleibt und sich keine der drei beteiligten Parteien – Gästefans, Schalker und Polizei – zu mehr hinreißen lässt. PAOK-Fans: Wer keine Sonne verträgt, möge bitte zuhause bleiben – und an die Adresse der Polizei Gelsenkirchen: Kleine Flaggenkunde bildet!