Leistungsorientiert trainieren - Ehemalige Champions-League-Siegerin Klara Boeva in Berlin - Neues aus Mazedonien

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Dienstag, 28. Februar 2017

Leistungsorientiert trainieren - Ehemalige Champions-League-Siegerin Klara Boeva in Berlin


Seit dem letzten Jahr ist Klara Boeva Jugendtrainerin beim Berliner TSC. Die 36-jährige Diplomsportlehrerin gewann früher als Spielerin mit Kometal Skopje die Champions League. Wenig später war die mazedonische Nationalspielerin auch bei KIF Vejen (Dänemark) und für CJF Fleury Loiret (Frankreich) aktiv. Warum die ehemalige Spitzenhandballerin jetzt in Berlin als Trainerin fungiert, erzählte sie im Interview.

Klara, wie kam es dazu, dass du nach Berlin gekommen bist?

Ich bin wegen meinem Studium nach Deutschland gekommen, aber eigentlich nicht wegen Handball. Das hat sich dann erst später wieder ergeben. 2009 habe ich mein Masterstudium in Gesundheitsförderung in Erlangen abgeschlossen. Anschließend bin ich zur Promotion nach Potsdam gegangen. Aktuell wohne ich auch in Potsdam, arbeite aber in Berlin als Sportlehrerin. Dadurch hat sich ein Kontakt zum Berliner TSC ergeben. Vor allem weil ich seit 2007 (Karriereende) keinen regelmäßigen Kontakt mit Handball hatte, war es wieder schön, etwas in dem Bereich zu machen. 

Wie würdest du den Frauenhandball in Deutschland mit dem in Mazedonien vergleichen?

Hier in Deutschland ist es etwas anders. Man muss früh eine Entscheidung treffen, ob der Sport professionell oder freizeitlich betrieben werden soll. Natürlich gibt es hier deutlich mehr Angebote für zahlreiche professionelle Sportarten. In Mazedonien hingegen hat natürlich gerade der Handball hohen Stellenwert und wird mehr gefördert. Das ist die Sportart Nummer 1. 

Welche Mannschaft trainierst du beim Berliner TSC?

Haupttrainerin bin ich für die D- und B-Jugend. Das Potential in der D-Jugend ist groß, weil wir in diesem Jahrgang viele Spielerinnen haben. Ich trainiere zusätzlich auch die B Jugend. Elf Spielerinnen sind regelmäßig beim Training und haben sich auch schon klar gesteigert. Sie spielen in der Verbandsliga und versuchen, das Beste aus den Möglichkeiten herauszuholen. 

War der Trainerposten in Berlin eine Umstellung für dich?

Am Anfang war es eine große Herausforderung für mich, hier im Verein zu arbeiten. Die deutschen Fachwörter musste ich natürlich zuerst lernen. Aber jetzt ist mittlerweile alles gut. Mir macht die Arbeit hier viel Spaß und die Mädels bereiten auch viel Freude. Dennoch sehe ich zu, dass wir leistungsorientiert trainieren. Spaß gehört in Maßen dazu. Jedenfalls läuft es gut, wir sind zufrieden. 

Du hast beim damaligen Spitzenverein Kometal Skopje gespielt. In der mazedonischen Nationalmannschaft warst du von 1997 bis 2006 aktiv. Was war dein persönlicher wichtigster Erfolg in deiner aktiven Karriere?

Der Sieg in der Champions League 2002 mit Kometal Skopje war der größte Erfolg. Ich bin in Skopje geboren und bin dort aufgewachsen. Von daher bin ich in genau der richtigen handballverrückten Stadt gewesen, um professionell Handball zu spielen. Der Traum vom großen Titel wurde dann wahr. Wir waren vorher schon dicht dran gewesen und haben uns den Sieg über längere Zeit erarbeitet. Im Jahr 2000 standen wir bereits im Finale. Wir haben hart dafür trainiert, um wieder in das Endspiel einzuziehen und triumphieren zu können. 

Wie hast du nach dem Titelgewinn gefeiert?

(lacht) Die Stimmung nach dem Sieg war riesig. Damals beim Sieg in unserer eigenen Halle hatten wir Platz für 2.000 Zuschauer. Aber es waren an diesem Tag mindestens 6.000 Leute drin. Das war Wahnsinn, schon wie wir nach dem Schlusspfiff gefeiert wurden. Danach sind wir in die Stadtmitte gegangen und wurden von Tausenden begleitet. Diesen Erfolg mit den Emotionen kann man kaum mit Worten beschreiben. 

Was können sich deutsche Handballfans von den mazedonischen abschauen? In Skopje herrscht immer Stimmung wie im Hexenkessel...

Das ist schwer zu sagen. Es gibt so viele Fanvereine, die sich Choreographien einfallen lassen. In Mazedonien ist es wie beim Fußball auch beim Handball sehr leidenschaftlich. Der Fokus liegt auf dem Handball, vor allem viele junge Leute sind unter den Zuschauern. Die machen schon sehr viel von der Stimmung aus.