Alioski passt mit seinem Stil gut in die Englische Liga


Es geht Schlag auf Schlag. Gleich vier Mal müssen Englands Profis über die Feiertage in die Hosen. Die vollen Stadien beweisen, dass die Fans die geballte Fussballladung goutieren. Ezgjan Alioski sagt: «Ich erlebe dies zum ersten Mal. Aber es macht Spass. Wir Fussballer wollen ja vor allem eines: Fussball spielen.»

Der 25-jährige Schweiz-Mazedonier ist seit Sommer bei Leeds United in der Championship engagiert. Diese besteht aus 24 Teams, die beiden erstklassierten steigen in die Premier League auf, jene auf den Rängen drei bis sechs ermitteln den dritten Aufsteiger. Dieser hat dann Ende Saison allein in der Meisterschaft 49 Partien in den Beinen. «Es ist streng, aber im Trainingszentrum fehlt es an nichts für eine optimale Erholung», sagt Alioski.

Die erste Tranche der Festtagsspiele haben er und Leeds United hinter sich. Nach dem 1:0 gegen Hull am 23. Dezember gab es am Stephanstag, dem Boxing Day, einen 2:1-Sieg bei Burton Albion. Schon übermorgen geht es weiter mit der Partie bei Birmingham, ehe am Neujahrstag Nottingham an der Elland Road in Leeds erscheint. Die «Whites», wie die Mannschaft wegen der blütenweissen Trikots genannt wird, haben einen guten Lauf und nun vier Mal in Serie gewonnen. Damit stehen sie in der Tabelle auf Platz fünf. «Wir wollen zumindest unter die ersten sechs; und sollte es am Ende mit dem Aufstieg klappen, wäre es umso schöner», sagt Alioski.

Aufstieg ist 280 Millionen wert

Er weiss genau, welche Bedeutung die Rückkehr in die Premier League für den Verein und die Fussballstadt Leeds hätte. Seit der dreifache Meister 2004 in die Championship und 2007 sogar in die dritte Liga abstieg, wähnen sich die Fans im falschen Film. In diesem Jahr nun hat der ambitionierte italienische Geschäftsmann Andrea Radrizzani den Verein gekauft und will mit diesem zurück ins Oberhaus. Kein Wunder: Angesichts der horrenden Fernsehgelder ist ein Aufstieg 280 Millionen Schweizer Franken wert. «Würden wir das schaffen, dann wären wir in Leeds Legenden», sagt Alioski.

Bei YB einst verkannt, wechselte der Berner zu Schaffhausen, wurde mazedonischer Nationalspieler und schlug bei Lugano mächtig ein. Nachdem er in der letzten Saison mit 16 Toren und 14 Assists bester Skorer der Super League geworden war, standen ihm viele Türen offen. Doch statt in die Bundesliga wechselte Alioski für 4,2 Millionen Franken nach Nordengland und in die Championship, wo teilweise Löhne wie in der Premier League bezahlt werden und es sich nicht schlechter verdienen lässt als in Deutschland.

Zu bereuen hat Alioski seinen Entscheid aber auch in sportlicher Hinsicht nicht. In 24 Meisterschaftsspielen hat er es 22 Mal in die Startaufstellung gebracht, mit 1740 Minuten die drittmeiste Spielzeit aller Leeds-Akteure erhalten und sich mit fünf Toren sowie vier Assists einen überaus respektablen Leistungsausweis erarbeitet. «Es ist schön, dass ich immer spiele. Aber ich schaue nicht gross auf die Statistiken. Wenn man ein paar Wochen lang kein Tor schiesst, ist man plötzlich nicht mehr viel wert», sagt Alioski aus eigener Erfahrung.

Nach einem vielversprechenden Saisonstart war der Flügel während zehn Spielen ohne Treffer geblieben und entsprechend in die Kritik geraten. Doch der dänische Trainer Thomas Christiansen, der als ehemaliger Torschützenkönig der Bundesliga weiss, wo das Tor steht, hat sich nicht beirren lassen. Alioski hat das Vertrauen im November mit vier Toren in vier Spielen verdankt.

«Eine wunderschöne Stadt!»

Überhaupt scheint dem schnellen Giel die Art Fussball zu liegen, die in der Championship gefragt ist. «Es geht unglaublich schnell hin und her. Man muss top konzentriert und physisch parat sein», sagt Alioski. «Aber es macht Spass, zumal einen die Fans richtig antreiben.» Mit über 32 000 Zuschauern hat sein Verein vor Aston Villa den höchsten Schnitt in der Liga. Weil Alioski mitten in Leeds wohnt – «eine wunderschöne Stadt!» –, wird er immer mal wieder um ein Foto gebeten, wenn ihn die Leute auf der Strasse erkennen. «Das ist bei meiner Haarfarbe ja auch nicht so schwierig», sagt Alioski. Wann immer möglich, erhält er aus der Schweiz Besuch von seiner Familie. «Und kürzlich war Marco Padalino vom FC Lugano hier. Er war total begeistert von der Stimmung im Stadion», sagt Alioski.

Nach einem formidablen Saisonstart mit sieben Spielen ohne Niederlage hatte Leeds im Herbst auch zwei Miniserien mit drei Spielen ohne Punktgewinn zu verkraften. «Wir haben den Glauben an unsere Stärken aber nie verloren», sagt Alioski. Er selber habe im Sommer nach seiner Ankunft im Trainingslager viele Gelegenheiten gehabt, um die Mannschaft kennen zu lernen und sich zu integrieren. «Ich bin eh ein offener Typ, der auf andere Leute zugeht. Und extrem viel geholfen hat mir zu Beginn Gaetano Berardi.» Der Tessiner, der 2011 ein Länderspiel für die Schweiz bestritten hatte, spielt seit 2014 für Leeds. Mit dem Linksverkehr komme er längst klar, sagt Alioski, «und mit der Sprache immer besser. Wenn es richtiges Englisch wäre, dann ginge es ja, aber dieser Dialekt…»

Auf dem Platz jedoch ist reden nur Silber, rennen dafür Gold. Und rennen, das kann Alioski. «Bestimmt kann ich sogar noch einen Zacken zulegen», sagt der Rasensprinter. Angst, nach den Feiertagen platt zu sein, hat er nicht.

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