IN MAZEDONIEN GENÄHT - Armee-Uniformen zu Tiefstlöhnen produziert

Der Bundesbetrieb Armasuisse gerät in die Kritik. Er lässt die Uniformen für die Schweizer Armee in Mazedonien nähen - zu Tiefstlöhnen.



Die Uniformen der Schweizer Armee werden zu Tiefstlöhnen hergestellt. (Bild: Gaetan Bally)

In Mazedonien benötigt eine vierköpfige Familie zum Überleben etwa 600 Franken. Der gesetzliche Mindestlohn von 122 Franken reicht da nirgends hin – auch wenn beide Elternteile voll erwerbstätig sind. Zu diesem tiefen Mindestlohn nähen Arbeiterinnen in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien auch Uniformen für die Schweizer Armee. Das zeigen Recherchen von «Kassensturz». Infografik Schweizer Armee im Vergleich

Verantwortlich für die Vergabe der Aufträge für Militäruniformen ist der Bundesbetrieb Armasuisse. Dieser nahm zu den beim «Kassensturz» erhobenen Vorwürfen Stellung: Ihre Lieferanten hätten internationale Arbeitsrichtlinien einzuhalten. Der im konkreten Fall angesprochene Lieferant, die Firma Albiro, erklärt, dass ihre mazedonischen Zulieferer die arbeitsrechtlichen Vorgaben vollumfänglich einhalten würden. Die gesetzlichen Mindestanforderungen würden teilweise um über 50 Prozent übertroffen, schreibt Albiro.

Kritik kommt von der EvB

Für die Hilfsorganisation «Erklärung von Bern» (EvB) ist das trotzdem Anlass genug, Kritik an der Schweizer Armee zu üben. Der niedrige Mindestlohn werde von der Regierung bewusst so tief gehalten. «Tiefe Lohnkosten sind ein Vorteil für Investoren. Die Industrie zieht dorthin, wo die tiefsten Löhne geboten werden. Und das weiss die Regierung auch.» Das sagt Christa Luginbühl von der EvB im «Kassensturz».

Deshalb fordert die Hilfsorganisation mehr soziale Verantwortung bei der Auftragsvergabe. Besonders stossend für EvB sei es, wenn soziale Ausbeutung durch Schweizer Steuergelder gefördert werde. Auch weitere Schweizer Firmen sollen die Kleider für ihre Angestellten in Mazedonien nähen lassen. Welche das sind, will der «Kassensturz» heute Abend kurz nach 21 Uhr im Schweizer Fernsehen enthüllen.