Zaev: Für Nato- und EU-Beitritt stimmt Mazedonien Vertrag mit Bulgarien zu

Mazedonien will Streitfragen mit Bulgarien beilegen, um Hindernisse für einen gewünschten Nato- und EU-Beitritt aus dem Weg zu räumen. Zaev hat Bulgarien Chef Borissow nach Mazedonien eingeladen, am 2. August zum "Ilinden" Nationalfeiertag. Akteure und Nationalhelden von Mazedonien die am Aufstand teilnahmen, werden auch von der bulgarischen Geschichtsschreibung vereinnahmt.



Beide Staaten wollen am 2. August in Mazedonien einen "Vertrag über gute Nachbarschaftliche Beziehungen" unterzeichnen, sagte der neue mazedonische Regierungschef Zoran Zaev am Dienstag in Sofia, nach Gesprächen mit seinem bulgarischen Amtskollegen Boiko Borissow. Sofia besteht seit Jahren auf den Abschluss eines solchen Vertrages, Bulgarien erkennt bis heute keine eigenständige mazedonische Nation, als auch keine eigenständige mazedonische Sprache an.
Laut bulgarischer Geschichtsauslegung, sind Mazedonier Bulgaren welche unter Tito "eine Gehirnwäsche erleiden mussten", die mazedonische Sprache hingegen wird als bulgarischer Dialekt betrachtet.

Inwiefern Bulgarien diese Aspekte der mazedonischen Identität in Zukunft behandelt, wurde aus der Pressemitteilung des neuen Regierungschef Zaev nicht bekannt. Zaev erstaunte erst kürzlich die mazedonische Öffentlichkeit in einem Interview mit einem bulgarischen Sender, kurz nach Amtsantritt, laut Zaev seien "Mazedonier und Bulgaren eine Nation und teilen eine gemeinsame Geschichte". 

Nach dem heutigem Besuch erntete Zaev heftige Kritik, er legte einen Kranz mit Kollegen Borissow vor einer Statue in Sofia nieder, welche ebenfalls eine Figur der mazedonischen Geschichte darstellt und von Bulgarien in die nationale Historie integriert wurde: Zar Samoil. Die Inschrift auf der Statue lautet: "Samoil Zar von Bulgarien", dies interpretieren Experten und Analytiker in Skopje als "Geschichts-Verrat" von Zaev.

Zaev rechnet mit Bulgariens Unterstützung für eine Nato- und EU-Integration. "Mazedoniens Weg in die EU und Nato setzt allerdings innenpolitische Stabilität voraus", warnte hingegen Borissow mit Blick auf die Krise in Skopje der vergangenen Monate. Für Mazedonien gäbe es keine Alternative der Mitgliedschaft in der Nato und in der Europäischen Union, versicherte dagegen Zaev.

Im Gegensatz zu Griechenland hat Bulgarien keinen Streit mit Skopje über den Namen der früheren jugoslawischen Teilrepublik, allerdings (wie erwähnt) erkennt Sofia keine mazedonische Nation weder noch Sprache an. 

Griechenland lehnt einen Beitritt seines nördlichen Nachbarns Mazedonien in die Nato und die EU ohne eine vorherige Lösung des Namensstreits ab, dies wurde erst kürzlich durch Griechenlands Diplomatie erneut bestätigt. Der von Zaev neu eingesetzte Außenminister, Dimitrov, weilte vergangene Woche in Athen und musste die altbekannten griechischen Positionen hinnehmen. Noch davor bemühten sich Zaev und Dimitrov das Bild zu vermitteln, Griechenland habe wohl nichts gegen einen Beitritt von Mazedonien unter der nicht gerade beliebten vorübergehenden Referenz (siehe hier dazu mehr).

Nach Sofia will Zaev bald auch Athen besuchen.

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