Murovski etabliert Zschopau als Zentrum moderner Augenmedizin


Rund 4000 Eingriffe am Auge nehmen die Mediziner am OP-Zentrum jedes Jahr vor. Die Patienten kommen dazu bis aus dem Leipziger Raum. Klinik-Chef Murovski hat ein Rezept gegen Ärztemangel auf dem Land gefunden.

Von Mike Baldauf

Haus- und Fachärzte auf dem Land sind rar. Daran dürfte sich in den nächsten Jahren kaum etwas ändern, wenn zahlreiche Mediziner in den Ruhestand gehen. Laut Kassenärztlicher Vereinigung (KV) werden dringend Praxisnachfolger gesucht. Junge Mediziner, die nachrücken könnten, zieht es aber eher in die Ballungszentren.

Dagegen hat Simo Murovski, der 2004 als junger Gastarzt von Mazedonien nach Deutschland kam, ein Rezept. Als 2008 die letzte Augenärztin in Zschopau ihre Zweigpraxis schloss, mussten Patienten weite Wege ins Umland in Kauf nehmen. Inzwischen hat sich die Motorradstadt dank des Spezialisten für Augenheilkunde und Kataraktchirurgie (Grauer-Star-OP) zu einem Zentrum der modernen Augenmedizin entwickelt.

Im früheren Liegenschaftsamt führt Murovski ein Augen-OP-Zentrum. Etwa 4000 Eingriffe nehmen er und seine Kollegen im Jahr vor. Neben der Behandlung des Grauen Stars sind das zum Beispiel Lid-OPs, Laser-Behandlungen der Netzhaut und refraktive Eingriffe (Korrektur von Sehfehlern), die Brillen oder Kontaktlinsen entbehrlich machen.

Hinzu kommen etwa 14.000 Behandlungen in zwei Praxen, die in Chemnitz und im Zschopauer Klinikum angesiedelt sind. Die Patienten kommen aus dem Erzgebirgskreis, Chemnitz und Mittelsachsen - sogar aus dem Leipziger Vorland. Dem Ärzteteam bescheinigen sie durchweg sehr gute Noten. Auf der Internet-Bewertungsplattform "Jameda" schneidet die Niederlassung mit der Gesamtnote 1,2 ab. Laut einer Umfrage würden sich 98,6 Prozent der Patienten erneut hier behandeln lassen - so das Ergebnis einer Befragung unter annähernd 100.000 Patienten, die 2015 von mehreren Krankenkassen in Sachsen vorgenommen wurde.

Worauf beruht der Erfolg? "Die moderne Augenmedizin hat in jüngster Zeit große Fortschritte gemacht, die wir für unsere Patienten nutzen", antwortet Simo Murovski. In den vergangenen Jahren investierte der Mediziner hohe Beträge in neue Geräte: "Unsere Ausstattung entspricht heute Uniklinik-Niveau." Das OP-Zentrum arbeite beispielsweise als einzige Klinik in Sachsen mit einem Navigationssystem, mit dem sich bei Implantationen bestimmte Linsentypen mit außerordentlicher Präzession positionieren lassen. Auch fortschrittliche Behandlungsmethoden wie die Injektion von Medikamenten direkt in den Glaskörper des Auges (Intravitreale Therapie) gehören zum Handwerkszeug der Fachärzte.

Die ambulante Augenheilkunde sieht Simo Murovski weiter auf dem Vormarsch: "Die Methoden für minimalinvasive Eingriffe sind inzwischen so verfeinert worden, dass immer mehr OPs, die bisher mit Klinikaufenthalten verbunden waren, ambulant erfolgen können." Im März will er erstmals Patienten mit Grünem Star in Zschopau operieren (Glaukom-Chirurgie). Für den Eingriff unter Vollnarkose hat er einen Anästhesisten aus Chemnitz gewinnen können.

"Die Bedingungen, die wir hier geschaffen haben, sind sehr angenehm", sagt Murovski. Das ist wie sich zeigt, nicht nur für die Patienten wichtig. "Wir können im ländlichen Raum nur dann junge Ärzte gewinnen, wenn wir Spitzenmedizin betreiben. Dann ist der Reiz für die Kollegen größer, sich hier niederzulassen als in die Stadt zu gehen." Murovskis Philosophie funktioniert. Das Ärzteteam um ihn besteht aus drei Fachmedizinern und einer Assistenzärtin, die dieses Jahr ihren Facharzt macht. Insgesamt beschäftigt er 21 Mitarbeiter. Darunter sind Spezialisten wie ein Augenoptiker-Meister und ein Optometrist für die Katarakt-Chirurgie.

Die Wartezeit für eine Voruntersuchung beziehungsweise einen OP-Termin beträgt derzeit sechs Wochen. Parallel dazu werden in den Praxen Sprechzeiten gehalten, bei denen Patienten vornehmlich Kontrolltermine wahrnehmen. "Hier arbeiten wir am Limit", gibt Simo Murovski zu. Neue Patienten nimmt er zurzeit nicht auf. Dafür müsste ein weiterer Kollege eingestellt werden. "Wir suchen weiter, um unser Team zu vergrößern. Auch eine Krankenschwester und einen Augenoptiker könnten wir gebrauchen."

Wie groß seine Niederlassung in zehn Jahren sein wird, vermag der Facharzt heute nicht zu sagen. Doch das Wachstum sollte begrenzt sein: "Klinikketten mit mehr als 50 Ärzten wie in den alten Bundesländern sind für mich der falsche Weg. Nicht die unternehmerische Seite, sondern der Beruf steht für mich auch künftig im Fokus." Murovski setzt vielmehr auf Kooperation mit anderen Praxen: "Wir müssen uns auf verschiedenen Ebenen ergänzen, um Potenzial zu schaffen und effektiver zu arbeiten." Weiterbildungen gehören für ihn dazu. Seine Mitarbeiter besuchen Kongresse und hospitieren in Unikliniken. In Zschopau hält Simo Murovski selbst Fachvorträge, die Kollegen aus dem Erzgebirge, benachbarten Kreisen und Tschechien besuchen.

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